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Was oft vergessen geht: Arbeitskräfte werden knapp und knapper

In der Diskussion um die Kündigungsinitiative geht etwas vergessen, was uns in den nächsten Jahrzehnten massiv beschäftigen wird: Es scheiden mehr Menschen altershalber aus dem Arbeitsmarkt aus, als junge Menschen neu dazu stossen. Wir werden das in allen Branchen spüren. Auch deshalb ist diese Initiative leichtsinnig und verantwortungslos.

von Guido Balmer, Leiter Kommunikation Kampagne gegen die Kündigungsinitiative

Die Zahlen sind klar, die Fakten unverrückbar, die Folgen offensichtlich. Und dennoch ist die Botschaft noch bei den wenigsten angekommen: Arbeitskräfte werden knapp und knapper. Schon nächstes Jahr verabschieden sich zum ersten Mal mehr Menschen aus dem Arbeitsleben, als junge Menschen neu eintreten. Und diese Lücke wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen.

Grund dafür ist die Pensionierungswelle der geburtenstarken Jahrgänge, der so genannten Babyboomer. Diese Welle erreicht 2029 ihren Höhepunkt und hält bis 2040 an, wie die demografischen Fakten zeigen. Insgesamt erreichen in den nächsten zehn Jahren rund eine Million Menschen das Rentenalter. 

Diese Entwicklung und die damit verbundene Personallücke wird alle Branchen treffen und zu Engpässen führen, wie die Credit Suisse in einer Publikation festhält, in der sie die demografischen Daten zusammenträgt und analysiert. 

Besonders gross wird das Thema demnach in der Landwirtschaft, in den administrativen und sozialen Diensten, in der traditionellen Industrie sowie in der Verkehrs- und Transportbranche. In diesen Branchen sind Arbeitskräfte aus den geburtenstarken Jahrgängen, die vor dem Austritt aus dem Arbeitsmarkt stehen, deutlich übervertreten. Diese Branchen werden also ganz besonders darum kämpfen müssen, die absehbaren Lücken zu schliessen und Engpässe in der Versorgung zu vermeiden. Die Herausforderung ist gross, denn anderen Ländern geht es ähnlich. Der internationale Wettbewerb um Arbeitskräfte wird sich also unweigerlich verschärfen. 

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Wir sehen den Menschen nicht als Produktionsfaktor, das machen wir mit unserer aktuellen Kampagne für ein Nein zur Kündigungsinitiative klar. Ich werfe deshalb hier auch nicht die Frage auf, wie die Wirtschaft möglichst günstig zu Arbeitskräften kommt. Vielmehr geht es mir darum, aufzuzeigen, dass wir uns als Konsumentinnen und Konsumenten, als Bürgerinnen und Bürger dieses Landes angesichts dieser unverrückbaren demografischen Perspektiven ernsthaft fragen müssen: Wer macht in den nächsten Jahrzehnten all die Arbeit, die gemacht sein muss? Wer sitzt vorne im Tram oder im Zug? Wer steht im Operationssaal? Wer am Krankenbett? Wer an der Kasse? Wer in den Büros der Verwaltung? Wer bringt den Nachschub? Wer pflanzt und erntet auf den Feldern? Wer steht im Stall und kümmert sich um die Kühe? Und so weiter und so fort. 

Was bei alledem sicher nicht hilft: Wenn wir jetzt die Personenfreizügigkeit kündigen, uns damit vom europäischen Markt der Arbeitskräfte abkoppeln und auch mit anderen Ländern keine ähnlichen Verträge mehr abschliessen sollen, wie es die SVP auf kurzsichtige und unverantwortliche Art und Weise vorschlägt. 

Für uns ist klar: So lässt sich die Schweiz der Zukunft nicht verwirklichen. Auch deshalb kämpfen wir für ein deutliches NEIN zur Kündigungsinitiative am 27. September.

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